Verwaltung als Partnerin- Koproduktion vor Ort

Ge­mein­schaft­li­ches Wohnen ermöglichen: Netzwerk Frankfurt für Ge­mein­schaft­li­ches Wohnen

Das Problem

Ge­mein­schaft­li­che Wohn­pro­jek­te können stabile Mieten, selbst­be­stimm­tes Wohnen, ge­gen­sei­ti­ge Un­ter­stüt­zung und lebendige Nach­bar­schaf­ten ermöglichen. Im an­ge­spann­ten Woh­nungs­markt sind solche Initiativen jedoch strukturell be­nach­tei­ligt. Häufig fehlen ihnen Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren, Fach­kennt­nis­se, Fi­nan­zie­rungs­er­fah­rung und Kontakte zu Planungs- und Bauakteur:innen. Auch der Zugang zu geeigneten Grund­stü­cken sowie die Ori­en­tie­rung in komplexen Verwaltungs- und Ver­ga­be­ver­fah­ren sind schwierig. Ohne Beratung und Vermittlung können sich ge­mein­wohl­ori­en­tier­te Initiativen kaum gegen etablierte, ren­di­te­ori­en­tier­te Pro­jekt­ent­wick­lun­gen behaupten. Gleich­zei­tig fehlte der Verwaltung ein ver­läss­li­cher Zugang zu den Erfahrungen und Bedarfen der Wohn­pro­jek­te.

Wie wurde das Problem gelöst?

Das Netzwerk Frankfurt für ge­mein­schaft­li­ches Wohnen und die Stadt Frankfurt haben gemeinsam eine Er­mög­li­chungs­struk­tur für ge­mein­schaft­li­che Wohn­pro­jek­te aufgebaut. Das Netzwerk informiert In­ter­es­sier­te, unterstützt Gruppen bei der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on, vermittelt Fachwissen und Kontakte und macht die Projekte öffentlich sichtbar. Das Amt für Woh­nungs­we­sen ergänzt diese Arbeit als kommunale An­lauf­stel­le. Es organisiert Kon­zept­ver­fah­ren, begleitet Projekte während der zeitlich befristeten Re­ser­vie­rung von Grund­stü­cken und vermittelt innerhalb der Verwaltung. Ein äm­ter­über­grei­fen­der Ar­beits­kreis nutzt die Erfahrungen aus den Projekten, um Verfahren wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. So erhalten Initiativen Ori­en­tie­rung und Zugang zu wichtigen Ressourcen, ohne dass ihnen die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on abgenommen wird.

Umsetzungsprozess

Sieben Wohn­in­itia­ti­ven gründeten das Netzwerk 2005 als zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Alternative zur ge­werb­li­chen Woh­nungs­wirt­schaft. Seit 2009 fördert die Stadt Frankfurt die pro­fes­sio­nel­le Beratungs- und Bil­dungs­ar­beit des Netzwerks in­sti­tu­tio­nell. Ein zentraler Engpass blieb zunächst der Zugang zu Grund­stü­cken, da diese häufig zum höchsten Preis oder direkt vergeben wurden. Die Einführung von Kon­zept­ver­fah­ren änderte die Bedingungen grundlegend. Bei diesen Verfahren entscheidet nicht allein der gebotene Preis, sondern die Qualität des geplanten Vorhabens. Zwischen 2015 und 2020 wuchs das Netzwerk auf fast 100 Initiativen und realisierte Projekte. Kon­zept­ver­fah­ren für ge­mein­schaft­li­che und ge­mein­wohl­ori­en­tier­te Vorhaben wurden dauerhaft in neuen Frankfurter Baugebieten verankert. Beteiligt sind neben dem Netzwerk und den Wohn­in­itia­ti­ven das Dezernat Planen und Wohnen, das Amt für Woh­nungs­we­sen, das Stadt­pla­nungs­amt, die Bauaufsicht und weitere Fachpartner:innen.

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