INSEL-Rat auf der Mierendorff-INSEL
Das Problem
Auf der Mierendorff-INSEL in Berlin leben rund 16.000 Menschen. Damit ist das Quartier so groß wie eine Kleinstadt. Dennoch gibt es auf Stadtteilebene kein repräsentatives Gremium, das die unterschiedlichen Perspektiven der Einwohner:innen abbildet. Klassische Beteiligungsformate erreichen häufig besonders engagierte oder gut organisierte Gruppen. Viele andere Menschen bleiben ungehört. Verwaltung und Politik fehlen dadurch wichtige Perspektiven für tragfähige Entscheidungen. Gleichzeitig kann der Eindruck entstehen, dass Beteiligung nur wenigen offensteht und Beiträge aus der Bevölkerung kaum Wirkung entfalten.
Wie wurde das Problem gelöst?
DorfwerkStadt e.V. hat gemeinsam mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den INSEL-Rat entwickelt. Das Format ist ein durch Los zusammengesetzter Einwohnendenrat. Bei der Auswahl werden Kriterien wie Alter, Geschlecht, Nachbarschaft und Migrationsgeschichte berücksichtigt, damit die Vielfalt des Stadtteils möglichst gut vertreten ist. Der INSEL-Rat erarbeitet Empfehlungen zu konkreten Fragen der Stadtteilentwicklung, etwa zu Mobilität oder öffentlichen Freiflächen. Verwaltung, Fachleute und Einwohner:innen bringen ihr Wissen in moderierten Sitzungen zusammen. Dadurch werden Perspektiven einbezogen, die in üblichen Beteiligungsverfahren häufig fehlen. Die Teilnehmenden erleben, dass ihre Beiträge gehört und von Politik und Verwaltung geprüft werden.
Umsetzungsprozess
DorfwerkStadt e.V., Verwaltung und weitere Akteur:innen entwickelten das Verfahren gemeinsam. Vor jedem INSEL-Rat werden Thema, Fragestellung und Zuständigkeiten verbindlich festgelegt. Das Bezirksamt verpflichtet sich bereits vor Beginn, die Empfehlungen ernsthaft zu prüfen und in die weitere Arbeit einzubeziehen. Anschließend werden die Teilnehmenden nach festgelegten Kriterien ausgelost. In moderierten Sitzungen beraten sie gemeinsam mit Verwaltung und Fachleuten und stimmen über Empfehlungen ab. Diese werden an den Bezirk übergeben. Das Bezirksamt informiert anschließend transparent über Prüfung und Umsetzung. Beteiligt sind Fachämter des Bezirks, der Raum für Beteiligung, die Stadtteilkoordination, das INSEL-Zukunftsteam, Planungsbüros und lokale zivilgesellschaftliche Organisationen. Der INSEL-Rat ist inzwischen als dauerhaftes Beteiligungsformat etabliert.