Nachbar:innen werden

Kreisler – Kreislauf-Läden im Kiez

Das Problem

In der Berliner Gro­pi­us­stadt fehlten nied­rig­schwel­li­ge Orte, an denen Menschen über soziale und welt­an­schau­li­che Grenzen hinweg zu­sam­men­kom­men. Gleich­zei­tig gab es kein wohn­ort­na­hes und bezahlbares Re­pa­ra­tur­an­ge­bot. Pro­fes­sio­nel­le Reparaturen sind für viele Menschen zu teuer, während Er­satz­pro­duk­te schnell verfügbar sind. Dadurch landen re­pa­rier­ba­re Gegenstände im Müll. In einem Ein­kaufs­zen­trum stand zudem eine Ge­wer­be­flä­che leer und auch der Au­ßen­be­reich davor wurde kaum genutzt. Es fehlte ein Ort, der Res­sour­cen­schutz, finanzielle Entlastung und nach­bar­schaft­li­che Begegnung miteinander verbindet.

Wie wurde das Problem gelöst?

Kreisler e.V. hat einen ge­mein­nüt­zi­gen Leih- und Re­pa­ra­tur­la­den mit festen Öff­nungs­zei­ten aufgebaut. Der Laden liegt auf dem all­täg­li­chen Weg zwischen U-Bahn und Supermarkt und macht Reparieren, Leihen und Teilen leicht zugänglich. Nachbar:innen können Gegenstände reparieren lassen, selbst reparieren oder ausleihen, statt sie neu zu kaufen. Ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Mit­glieds­bei­trä­ge und Reparaturen auf Spen­den­ba­sis halten das Angebot für alle zugänglich. Zugleich ist der Kreisler zu einem Treffpunkt geworden, an dem Menschen Selbst­wirk­sam­keit und Teilhabe erleben. Seit der Eröffnung wurden mehr als 800 Geräte repariert. Knapp 300 Menschen sind Mitglied. Der Verein gestaltet außerdem den Außenraum ökologisch und hat nach­bar­schaft­li­che Ka­ta­stro­phen­vor­sor­ge angestoßen.

Umsetzungsprozess

Kreisler e.V. ging mit der Idee auf die städtische Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft Degewo zu, eine leer­ste­hen­de Ge­wer­be­flä­che in Nach­bar­schafts­in­fra­struk­tur zu verwandeln. In einer sechs­mo­na­ti­gen Testphase betrieb der Verein die Fläche zunächst zu nahezu regulärer Miete. Mehr als 100 Mitglieder, rund 300 reparierte Geräte und eine wachsende eh­ren­amt­li­che Ge­mein­schaft belegten früh die Nachfrage. Danach ver­ein­bar­ten Verein und Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft eine dauerhaft ver­güns­tig­te Miete. Eh­ren­amt­li­che und Haupt­amt­li­che sichern vier Öff­nungs­ta­ge pro Woche. Unterstützt wurde der Aufbau außerdem durch Fachpartner:innen, För­der­pro­gram­me, lokale Vereine und benachbarte Geschäfte. Der Kreisler wird derzeit als stan­dar­di­sier­tes Modell wei­ter­ent­wi­ckelt, damit Kommunen und Woh­nungs­un­ter­neh­men mit lokalen Initiativen ähnliche Standorte aufbauen können.