„Ich habe in der Verwaltung vor allem Menschen ken­nen­ge­lernt, die für ihre Sache brennen”

Ein Gespräch mit Hermann Amecke, sys­te­mi­scher Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­ra­ter und Fellow bei Re:Form

 

Hermann Amecke engagiert sich als Fellow bei Re:Form. In dieser Rolle unterstützt er uns bei der Or­ga­ni­sa­ti­on des Forums für den Staat von morgen: ein Format, in dem wir Ver­wal­tungs­pio­nier:innen aus ganz Deutschland über alle Hierarchien hinweg für drei Tage zu­sam­men­brin­gen. Mit dem Ziel, gemeinsam an sys­te­mi­schen Lösungen für die Staats­re­form zu arbeiten. Über die Begleitung des Forums hinaus, arbeitet Hermann außerdem gemeinsam mit dem Ver­wal­tungs­wis­sen­schaft­ler Rafael Leite in­ter­na­tio­na­le Best Practices auf.

Wir haben mit Hermann über seine Motivation gesprochen und darüber, welche Beispiele aus anderen Ländern ihn besonders inspirieren.

 

Lieber Hermann, Du hast als Referent im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit das Thema Wir­kungs­ori­en­tie­rung vor­an­ge­trie­ben und einen bis dato einmaligen OKR-Prozess in einem Ministerium eingeführt. Jetzt arbeitest Du als sys­te­mi­scher Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­ra­ter und als Fellow für Re:Form. Wie kam es dazu?

Beim BMU habe ich 2021 mit Kolleg:innen eine Initiative aus dem Gefühl heraus gegründet, dass das Stra­te­gi­sche ständig vom Ta­ges­ge­schäft verdrängt wird. So entstand unter anderem die erste umfassende OKR-Im­ple­men­tie­rung in einem Bun­des­mi­nis­te­ri­um. Dazu haben wir auch die erste interne Beratung eines Mi­nis­te­ri­ums aufgebaut und dabei habe ich gemerkt, wie sehr mir Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­ra­tung liegt. Fast wie eine Berufung. Heute mache ich das extern für öffentliche und private Or­ga­ni­sa­ti­on und jetzt auch bei Re:Form, weil mein Herz an der Verwaltung hängt.

 

Re:Form steht für den Mut, ein veraltetes Staats­ver­ständ­nis hinter sich zu lassen. Und bestehende Strukturen so wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, dass unser Staat hand­lungs­fä­hig bleibt. Wo siehst Du hier die größten Hebel?

Der größte Hebel ist eine geteilte Überzeugung, dass ein hand­lungs­fä­hi­ge­rer Staat nötig und möglich ist. Ich sehe bundesweit, dass diese Überzeugung spürbar wächst. Das eigens dafür geschaffene Ministerium für Di­gi­ta­li­se­rung und Staats­mo­der­ni­sie­rung ist ein deutliches Zeichen dafür. Sehr wahr­schein­lich wird sich diese Überzeugung weiter verbreiten und damit auch der Ver­än­de­rungs­druck. Die Außenwelt hat sich in den letzten Jahrzehnten einfach zu stark geändert und tut es immer radikaler. Verwaltung ist dabei noch be­mer­kens­wert stabil geblieben, auch im Vergleich zu privaten Or­ga­ni­sa­tio­nen.

 

Gemeinsam mit Rafael Leite hast Du die Reihe „Postkarten aus aller Welt” für den Re:Form-Newsletter gestartet, in der Ihr in­ter­na­tio­na­le Beispiele der Ver­wal­tungs­mo­der­ni­sie­rung beleuchtet. Von welchen dieser Reformen können deutsche Ver­wal­tun­gen besonders viel lernen?

Das Erste, was wir von in­ter­na­tio­na­len Vergleichen lernen könnten ist, sys­te­ma­tisch über die Grenze schauen. Andere Länder tun das regelmäßig, Kommunen bei uns oft auch. Auch bei der Di­gi­ta­li­sie­rung kennt jeder das Beispiel aus Estland. Aber in Bezug auf andere Ver­wal­tungs­re­for­men passiert das noch wenig. Mich fasziniert bei­spiels­wei­se Neuseeland. Dort werden Wir­kungs­zie­le über Le­gis­la­tu­ren hinweg gesetzt und transparent getrackt, bis hinunter zu Ampeln für einzelne Ressorts.

 

Wenn Du Dir eine struk­tu­rel­le Veränderung für den deutschen Staat wünschen dürftest, die sofort umgesetzt wird, welche wäre das und warum?

Groß­bri­tan­ni­en hat seinen öf­fent­li­chen Dienst pro­fes­sio­na­li­siert: weg vom Ideal des Ge­ne­ra­lis­ten, der alles kann, hin zu klar definierten „Professions“, unter anderem in den Bereichen Ökonomie, HR, Recht, Pro­jekt­ma­nage­ment, und so weiter. Mit­ar­bei­ten­de bleiben so flexibel einsetzbar, entwickeln aber tiefe fachliche Expertise. Gerade gutes Pro­jekt­ma­nage­ment ist für einen hand­lungs­fä­hi­gen Staat zentral und verdient mehr Gewicht.

 

Und zu guter Letzt: Was möchtest Du Ver­wal­tungs­pio­nier:innen mitgeben, die sich für die Staats­re­form einsetzen?

Ich habe in der Verwaltung vor allem Menschen ken­nen­ge­lernt, die für ihre Sache brennen. Das ist eine un­schätz­ba­re Ressource für Veränderung. Mein Rat: Traut Euch, die schwierigen Fragen zu stellen, und sucht Verbündete. Zum Beispiel bei Re:Form. Zusammen können wir auch große Steine ins Rollen bringen. Und denkt an das „Wie“: Denn gerade wo Veränderung ungeübt ist, ist Change-Management oft ent­schei­den­der als das „Was“.

 

Vielen Dank für das Gespräch, lieber Hermann. Wir freuen uns auf die weitere Zu­sam­men­ar­beit mit Dir bei Re:Form.

 

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Diesen Beitrag haben wir am 16. Juli 2026 in unserem Re:Form-Newsletter versendet. Melde Dich jetzt an und erhalte die neuesten Ausgaben direkt in Dein Postfach.
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