Ko-Pionier-Preis
Was wäre, wenn eine erprobte Software für die Stadtentwicklung nachgenutzt wird?
Ken Gericke, Fachbereichsleiter Stadtplanung und Vermessung, Stadt Magdeburg
Gute Stadtentwicklung wird immer herausfordernder. Denn sie erfordert immer stärker einen notwendigen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen Wachstum, verbesserter Lebensqualität und nachhaltiger Entwicklung. Gleichzeitig arbeiten Stadtverwaltungen noch oft mit verteilten Datensätzen, analogen Abläufen und langen Abstimmungswegen. Genau an diesem Punkt standen wir auch in Magdeburg. Uns war klar:Wenn wir unsere Stadtentwicklung zukunftsfähig gestalten wollen, brauchen wir bessere Datengrundlagen für Entscheidungen. Verständlich, verlässlich und für alle Beteiligten nutzbar.
Unsere Partnerstadt Halle an der Saale stand vor ähnlichen Herausforderungen und hat daraufhin die Software „HAL-Plan” entwickelt, welches im Rahmen der Smart City Modellprojekte des Bundes gefördert wurde.HAL-Planbasiert auf einem digitalen 3D-Modell, dem „Digitalen Zwilling“, und umfasst drei Module: ein Planungstool, ein Ökologietool und ein Flächenmanagement-Tool. Diese ermöglichen präzisere Planungen, Umweltanalysen und effiziente Flächenverwaltung.
Damit verbindet die Software Geodaten, Fachplanungen und rechtliche Rahmenbedingungen in einem integrierten, modularen System. So können durchgängige digitale Workflows unterstützt werden – von der ersten Idee über die Bauleitplanung bis zur Umsetzung.Das erhöht die Qualität der Planung, verkürzt potentiell Abstimmungswege und stärkt die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit. Gerade für die wachsenden Anforderungen an Planung, Genehmigung und Beteiligung bietetHAL-Plandamit eine praxisnahe Lösung.
Deshalb haben wir uns in der Landeshauptstadt Magdeburg dazu entschieden,HAL-Plannachzunutzen und an die Bedingungen in unserer Stadt anzupassen.Was zunächst einfach klingt, erfordert hohen Abstimmungsbedarf.Denn an der Nachnutzung waren zahlreiche Akteurinnen und Akteure beteiligt, deren unterschiedliche Perspektiven und Fachkompetenzen wesentlich zum bisherigen Gelingen des Projekts beigetragen haben.
Innerhalb unserer Stadtverwaltungen haben mehrere Fachbereiche eng und konstruktiv zusammengearbeitet, insbesondere aus den Bereichen Digitalisierung/Smart City, Stadtentwicklung, Bau und Umwelt. Ergänzt wurde dieser verwaltungsinterne Prozess durch den intensiven Austausch mit externen Fachplanerinnen und Fachplanern sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Politik.
Und all diese Arbeit hat sich sichtbar gelohnt. Durch die Einführung des digitalen Zwillings konnten wirmehr Transparenz in der Stadtentwicklung schaffen, die nicht nur interne Planungsprozesse effizienter gestaltet, sondern auch die Bürgerbeteiligung und Akzeptanz bei zukünftigen Projekten fördern kann.
Dazu leistetHAL-Planebenfalls einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem es dieKommunikation zwischen unserer Stadtverwaltung, Bürger:innen sowie der Politik verbessert und so das Vertrauen in die Stadtplanung stärkt. Denn die Möglichkeit zur transparenten Darstellung von Planungsprozessen und Visualisierung von Projekten in unterschiedlichen Szenarien erhöht die Akzeptanz und verringert die Gefahr für teure Nachplanungen oder Verzögerungen.
Nicht zuletzt unterstütztHAL-Planauch ökologisch und finanziell die Ziele unserer Stadt. Durch die Berücksichtigung von Klimafaktoren und ressourcenschonender Planung können wirbesser kostensparende und nachhaltige Entscheidungen treffen.
Mit der Nachnutzung setzen wir ein starkes Zeichen für digitale Innovation und nachhaltige Stadtentwicklung im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt.Aktuell wird darüber nachgedacht den digitalen ZwillingHAL-Planals Basisdienst im Rahmen der Digitalisierungstrategie des Landes allen Kommunen zur Nachnutzung zur Verfügung zu stellen. Die Erfahrungen der Städte Halle und Magdeburg bilden hierfür eine wichtige Basis. Für all diese Erfolge wurden wir2025 mit dem Ko-Pionier-Preis ausgezeichnet.
Im Prozess der Nachnutzung haben wir vor allem gelernt,wie wertvoll frühzeitiger Dialog, Offenheit und gegenseitiges Vertrauen sind. Denn Nachnutzung erfordert Flexibilität, die Bereitschaft, Annahmen zu hinterfragen, und den Mut, Prozesse iterativ neu zu gestalten. Insbesondere in Hinblick auf Abstimmungsprozesse, Genehmigungsfragen und die Vereinbarkeit neuer Nutzungen mit vorhandenen Strukturen.
All diese Abstimmungen erforderten Zeit, Sorgfalt und einen hohen Grad an Koordination. Gerade im Spannungsfeld zwischen rechtlichen sowie personellen Rahmenbedingungen, wirtschaftlichen Realitäten und gesellschaftlichen Erwartungen haben wir so gelernt, Prioritäten klar zu benennen und Spielräume verantwortungsvoll zu nutzen.
Unsere erfolgreiche Nachnutzung zeigt, dass kommunale Innovationen dann besonders wirksam sind, wenn sie nicht als singuläre Einzellösung gedacht werden, sondern von Beginn an übertragbar konzipiert sind. Für uns als Verwaltung ist das ein starkes Signal: Gute Ideen entfalten ihren größten Mehrwert, wenn sie geteilt, weiterentwickelt und gemeinsam genutzt werden.
Erfahre mehr:
- Software HAL-Plan, entwickelt von der Stadt Halle an der Saale
- Ko-Pionier-Preis