Was wäre, wenn Beteiligungsprozesse digital laufen würden?
Badri Hüge und Janek Gulbis, beide Project Manager beim Liquid Democracy e.V.
Ob Tempolimit, Verbesserung der Barrierefreiheit, oder Lärmschutz – Demokratie zeigt sich dort, wo konkrete Entscheidungen das Leben der Menschen direkt betreffen. Eine lebendige und vielfältige Demokratie lebt davon, dass Menschen mitreden und mitgestalten können. Nicht nur an der Wahlurne, sondern auch im Alltag.
Klassische Beteiligungsformate sind dafür wichtig, haben aber auch ihre Grenzen: Zeitmangel, eingeschränkte Mobilität oder familiäre Verpflichtungen halten viele davon ab, sich aktiv einzubringen. Hier setzt adhocracy+ an – eine kostenfreie, niedrigschwellige und datenschutzkonforme Beteiligungsplattform, die vom Liquid Democracy e.V. bereitgestellt und durch Spenden finanziert wird. adhocracy+ befähigt Kommunen, Organisationen und Institutionen, digitale Beteiligungsprozesse selbstständig und unkompliziert umzusetzen.
Als „Software-as-a-Service“ konzipiert, ermöglicht adhocracy+ Beteiligung unabhängig von Ort, Zeit und technischer Infrastruktur. Ohne eigene Server, ohne Programmierkenntnisse, dafür mit klarer Struktur, intuitiver Bedienung und umfassendem Support. Inzwischen setzen über 300 Kommunen bundesweit auf das Angebot. Sie alle eint ein Ziel: demokratische Teilhabe stärken – auch im digitalen Raum.
Wie kann das konkret aussehen? Ein gutes Beispiel bietet die Gemeinde Schwielowsee in Brandenburg. Angesichts wachsender Wohnraumnachfrage, veränderter demografischer Strukturen und eines steigenden Bedarfs an sozialer Infrastruktur hat sich die Kommune entschieden, ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (INSEK) für 2040 partizipativ zu erarbeiten.
Ziel war es, strategische Leitlinien für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde festzulegen. Neben klassischen Formaten wie Expert:inneninterviews und Bürger:innendialogen wurde die Plattform adhocracy+ genutzt, um den Beteiligungsprozess digital zu ergänzen. Bürger:innen aller Ortsteile konnten auf einer interaktiven Karte Vorschläge für bestimmte Orte machen, Handlungsbedarfe markieren oder positive Entwicklungen hervorheben. Ergänzt wurde das Format durch eine Online-Umfrage, in der gezielt nach Perspektiven zu Zukunftsthemen gefragt wurde – von Mobilität über Bildung bis zum Klimaschutz.
Das digitale Beteiligungsangebot wurde intensiv genutzt: innerhalb von zwei Monaten gingen über 155 Ideen ein, rund 100 Menschen nahmen an der Umfrage teil – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 11.000. Diese Zahlen zeigen: Wenn Beteiligung alltagsnah, leicht zugänglich und transparent gestaltet ist, wird sie angenommen. Und sie liefert wertvolle Impulse für die kommunale Planung.
In vielen Verwaltungen bestehen nach wie vor Vorbehalte gegenüber digitaler Beteiligung. Sie erscheint aufwendig, teuer oder technisch anspruchsvoll. Genau hier setzt adhocracy+ an und entkräftet diese Bedenken mit einem klaren Konzept. Die Plattform ist kostenfrei nutzbar, ohne Aufbau eigener IT-Infrastruktur, ohne Lizenzkosten und ohne versteckte Abhängigkeiten. Gerade vor dem Hintergrund knapper Haushalte und begrenzter personeller Ressourcen stellt das eine echte Entlastung dar.
Darüber hinaus ist adhocracy+ Open Source. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar, anpassbar und transparent. Für viele Kommunen und Verwaltungen gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung, denn offene Softwarelösungen fördern Vertrauen, ermöglichen langfristige Planbarkeit und verhindern Abhängigkeiten von proprietären Anbietern.Gleichzeitig bleibt der Aufwand für die Verwaltung gut einzuschätzen.
Je nach Komplexität des Vorhabens sollte Zeit für Kommunikation, Moderation und Auswertung eingeplant werden. Zugleich bietet das Team hinter adhocracy+ regelmäßige Online-Workshops, praxisnahe Unterstützung und direkten Support per E-Mail oder Telefon an.
Digitale Werkzeuge wie adhocracy+ bieten große Chancen, aber sie ersetzen nicht die politische Verantwortung oder die Notwendigkeit, Entscheidungen transparent zu erklären. Auch mit der besten Plattform wird nicht jede Zielgruppe erreicht und nicht jedes Thema eignet sich für ein digitales Beteiligungsverfahren.
Wir verstehen Beteiligung als Einladung, nicht als Pflicht. Als Möglichkeit, Perspektiven sichtbar zu machen, nicht als Ersatz für politische Entscheidungen. Und als Prozess, der laufend verbessert werden muss, insbesondere mit Blick auf Zugänglichkeit, Kommunikation und Repräsentativität.
Gerade, weil viele gesellschaftliche Debatten heute im digitalen Raum stattfinden, braucht es hier Angebote, die demokratisch, fair und sicher sind. Mit adhocracy+ steht dafür ein Werkzeug zur Verfügung, das auf Offenheit und Transparenz setzt statt auf Gewinninteressen oder Datenverwertung.
Demokratie braucht Beteiligung. Wenn Kommunen heute mehr Menschen einbinden möchten, brauchen sie Formate, die einfach nutzbar, flexibel einsetzbar und verlässlich sind. adhocracy+ ist ein solches Angebot: Es senkt Barrieren, ermöglicht neue Beteiligungskulturen und schafft Räume für konstruktiven Austausch.
Dabei geht es nicht nur um das Einholen von Meinungen, sondern um die
Verbindung von Fachwissen aus der Verwaltung mit dem Alltagswissen der Bürger:innen. So entstehen Entscheidungen, die nicht nur besser legitimiert sind, sondern auch die Lebensrealität der Menschen mitdenken.
Digitale Beteiligung ist kein Selbstzweck, sondern ein demokratischer Auftrag. Und mit adhocracy+ steht ein Werkzeug bereit, das diesen Auftrag mit Leben erfüllen kann.
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