Was wäre, wenn hohe Qualität und Effizienz bei digitalen Ver­wal­tungs­diens­ten zum Standard würde?

Dr. Anna Sinell, Be­reichs­lei­tung Instrumente der Ver­wal­tungs­di­gi­ta­li­sie­rung, Di­gi­tal­Ser­vice des Bundes

Wie erleben Menschen unseren Staat und damit unsere Demokratie? Darüber entscheiden auch die Erfahrungen, die sie mit digitalen staatlichen Services machen. Sind die Prozesse umständlich und ineffizient, oder erleben die Nutzenden eine hilfreiche und hand­lungs­fä­hi­ge Verwaltung?

Dass die Nut­zer­er­fah­run­gen bei staatlichen digitalen Angeboten nach wie vor sehr heterogen sind, ist daher Gift für das De­mo­kra­tie­ver­trau­en. Aus den ein­schlä­gi­gen Studien wie dem eGovernment MONITOR wird immer wieder deutlich: Bürger:innen erwarten ganz klar mehr, als ihnen die Verwaltung üb­li­cher­wei­se bietet. Und aus ihren täglichen Erfahrungen mit den Online-Services von pri­vat­wirt­schaft­li­chen Anbietern wissen sie sehr genau, dass es anders und besser geht.

Aber jetzt kommt die gute Nachricht: Wir haben bereits ein wirksames Instrument, um digitale Ver­wal­tungs­diens­te auf ein einheitlich hohes Niveau zu heben. Der Ser­vice­stan­dard setzt ver­bind­li­che Maßstäbe und hilft Ver­wal­tungs­mit­ar­bei­ten­den und ihren IT-Dienst­leis­ter:innen, gute digitale Angebote zu entwickeln und zu betreiben. Er wurde 2020 erstmals vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern (BMI) vorgelegt. Seit Mitte 2024 entwickelt der Di­gi­tal­Ser­vice ihn im Auftrag und in enger Zu­sam­men­ar­beit mit dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Digitales und Staats­mo­der­ni­sie­rung (BMDS, in Nachfolge des BMI) weiter – mit Un­ter­stüt­zung von vielen Verbündeten in Bund, Ländern, Kommunen und weiteren Or­ga­ni­sa­tio­nen.

Seither hat sich viel getan: Im März 2025 wurde die DIN SPEC 66336 „Qua­li­täts­an­for­de­run­gen für On­line­ser­vices und -portale der öf­fent­li­chen Verwaltung (Ser­vice­stan­dard)“ ver­öf­fent­licht, die in 13 Kapiteln erstmals klare und über­prüf­ba­re Qua­li­täts­an­for­de­run­gen für Analyse, Umsetzung, Betrieb und Wei­ter­ent­wick­lung staatlicher Online-Services festlegt.

Seit Anfang Juni 2025 steht mit ser­vice­stan­dard.gov.de ein pra­xis­ori­en­tier­tes Hilfs­an­ge­bot bereit. Die Website bündelt alle relevanten Inhalte an ei­nem Ort – von der DIN SPEC 66336 bis zu Lern­in­hal­ten wie Pra­xis­be­rich­ten und Anleitungen. Die 13 Punkte des Ser­vice­stan­dards übersetzen die komplexen An­for­de­run­gen der DIN SPEC dabei in konkrete Maßnahmen: von Punkt 1 „Nutzende verstehen und Bedürfnisse erkennen” bis zu Punkt 13 „Rechtliche Hürden erkennen und Regelungen verbessern”.

Im Oktober 2025 trat zudem die Verordnung über Standards für den On­line­zu­gang zu Ver­wal­tungs­leis­tun­gen (OZSV) in Kraft. Sie ver­pflich­tet die Verwaltung, bei digitalen Angeboten für Bürger:innen und Unternehmen ver­bind­li­che Qua­li­täts­an­for­de­run­gen einzuhalten und re­fe­ren­ziert dafür auf die DIN SPEC 66336.

Ver­pflich­ten­de Standards sind notwendige Hebel, aber noch lange keine Selbst­läu­fer. Damit Standards auch in der Realität flä­chen­de­ckend angewendet werden, braucht es mehr. Um­set­zungs­ver­ant­wort­li­che müssen den Standard kennen, sie müssen seinen Mehrwert erfassen und ihn praxisnah anwenden können. Daher liegt unser Fokus bei der Wei­ter­ent­wick­lung des Ser­vice­stan­dards darauf, seine Anwendung zu erleichtern und zu stärken.

Aus diesem Grund bauen wir das In­for­ma­ti­ons­an­ge­bot auf ser­vice­stan­dard.gov.de kon­ti­nu­ier­lich aus. Dazu gehören konkrete Anleitungen, bei­spiels­wei­se „Teil­neh­men­de für Nut­zer­for­schung finden”, „Datenschutz in der technischen Gestaltung umsetzen” oder „Ver­ständ­lich schreiben mit Einfacher Sprache”. Zusätzlich geben Pra­xis­bei­spie­le vertiefte Einblicke in einzelne Projekte und zeigen, wie deren Teams Aufgaben gelöst haben und mit Her­aus­for­de­run­gen umgegangen sind– etwa wie die Stadt Lübeck die digitale Teilhabe älterer Menschen fördert oder wie die Deutsche Ren­ten­ver­si­che­rung ihr Kun­den­por­tal konsequent nut­zer­zen­triert entwickelte. Außerdem gibt es Poster in un­ter­schied­li­chen Varianten als Downloads, um den Ser­vice­stan­dard am Ar­beits­platz physisch sichtbar zu machen.

Hinzu kommen begleitende Un­ter­stüt­zungs­for­ma­te wie bei­spiels­wei­se sogenannte Peer Reviews.Sie führen im fachlichen Austausch mit aus­ge­wähl­ten Expert:innen zu einer Ein­schät­zung, wie weit ein Service und das bisherige Vorgehen bereits dem Ser­vice­stan­dard entsprechen. Dabei wird klar, wo die Prioritäten für die Wei­ter­ent­wick­lung liegen sollten oder welche möglichen Risiken es gibt. Oft werden aber auch Erfolge und Mög­lich­kei­ten erkannt, die bisher übersehen wurden. Weitere Formate wie Schulungen, Workshops und Selbst-Tests sind in Arbeit. Seit April steht außerdem eine Telefon-Hotline für den nied­rig­schwel­li­gen Austausch und alle Fragen rund um den Ser­vice­stan­dard zur Verfügung.

Um si­cher­zu­stel­len, dass der Ser­vice­stan­dard praxisnah und be­darfs­ge­recht gestal­tet ist, gehen wir bei all dem konsequent kol­la­bo­ra­tiv vor. Wir binden Nutzende, Fach­leute aller Ver­wal­tungs­ebe­nen genauso ein, wie Expert:innen aus der Wirtschaft und der Zivil­ge­sell­schaft. So brachten sich im Konsortium der DIN SPEC 66336 Menschen aus über 40 Or­ga­ni­sa­tio­nen ein. Eine zunehmende Anzahl an Fachleuten erweitert mit uns die Inhalte der Website, deren Redaktion wir im April 2026 geöffnet haben. Regelmäßig geben Anwendende aus der Verwaltung uns wertvolles Feedback in Nutzertests für die weiteren Formate, die wir entwickeln.

Die Bandbreite an Menschen, die sich für den Ser­vice­stan­dard engagieren, wird auch in unserer laufenden LinkedIn-Serie #13Punkte1Standard deutlich. Expert:innen stellen dort in kurzen Erklär-Videos jeweils einen der 13 Punkte des Ser­vice­stan­dards vor.

Der Ser­vice­stan­dard ist ein un­ver­zicht­ba­res Werkzeug für alle, die staatliche Dienste entwickeln und betreiben – für eine einheitlich hohe Qualität, die sich positiv auf das Vertrauen der Nutzenden in den Staat und damit letzt­end­lich in unsere Demokratie auswirkt. Dabei braucht es beides: Klare Standards und Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für die Menschen, die diese in die Praxis umsetzen. An dieser Maxime orientieren wir und unsere Pro­jekt­part­ner:innen im BMDS uns beim Ser­vice­stan­dard, gemeinsam mit vielen weiteren Partner:innen aus Verwaltung, Wirtschaft und Zi­vil­ge­sell­schaft.

So könnt Ihr Euch einbringen: Macht Euch mit dem Ser­vice­stan­dard vertraut und meldet Euch, wenn Euch etwas fehlt, unklar ist oder Ihr eines unserer Hilfs­an­ge­bo­te nutzen wollt. Nennt uns Aus­tausch­for­ma­te, in denen wir den Ser­vice­stan­dard vorstellen sollten. Meldet Euch, wenn Ihr Euer Ex­per­ten­wis­sen aktiv in die Wei­ter­ent­wick­lung einbringen wollt oder wenn Ihr für Nutzertests zur Verfügung steht. Meldet Euch bei uns, wir freuen uns von Euch zu hören.

 

 

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Diesen Beitrag haben wir am 18. Juni 2026 in unserem Re:Form-Newsletter versendet. Melde Dich jetzt an und erhalte die neuesten Ausgaben direkt in Dein Postfach.
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