Was wäre, wenn wir mehr Lösungen in­ter­sek­to­ral, kol­la­bo­ra­tiv und agil entwickeln würden?

Anna Maria Stahl-Czechowska, Referentin für Par­ti­zi­pa­ti­on, Engagement und Ehrenamt in der Berliner Se­nats­ver­wal­tung für Arbeit, Soziales, Gleich­stel­lung, Integration, Vielfalt und An­ti­dis­kri­mi­nie­rung

Kommunen und Städte stehen vor großen Her­aus­for­de­run­gen: Klimawandel, soziale Spaltung, Fach­kräf­te­man­gel, digitale Trans­for­ma­ti­on und die Integration viel­fäl­ti­ger Le­bens­rea­li­tä­ten prägen den Alltag. Diese Probleme sind komplex, viel­schich­tig und lassen sich nicht durch isolierte Lösungen aus einzelnen Ressorts oder Sektoren lösen. Sie erfordern neue Formen der Zu­sam­men­ar­beit: agiler, in­ter­sek­to­ra­ler und par­ti­zi­pa­ti­ver. Doch wie gelingt es, Verwaltung, Zi­vil­ge­sell­schaft, Wirtschaft und Wis­sen­schaft so zu vernetzen, dass gemeinsam wirksame Lösungen entstehen? Und was hat das mit Demokratie zu tun?

Die Stärkung von Par­ti­zi­pa­ti­on ist ein zentrales Anliegen der Berliner Verwaltung, um eine inklusive und vielfältige Ge­sell­schaft zu fördern. Eine wichtige gesetzliche Grundlage hierfür bildet das „Par­ti­zi­pa­ti­ons­ge­setz“, das die Mitwirkung von Menschen mit Migrations- und Flucht­er­fah­rung in politischen und ge­sell­schaft­li­chen Prozessen regelt und fördert. In diesem Jahr feiert das Gesetz sein fünf­jäh­ri­ges Jubiläum. Das Gesetz aktiviert die Berliner Verwaltung, den Anteil der Menschen mit Mi­gra­ti­ons­ge­schich­te in der Verwaltung zu erhöhen. Das Gesetz betont auch ins­be­son­de­re die Bedeutung der Teilhabe von Menschen, mit tat­säch­li­cher oder zu­ge­schrie­be­ner Mi­gra­ti­ons­ge­schich­te, die aufgrund von Sprache, Herkunft, sozialer Lage oder anderen Faktoren häufig von Par­ti­zi­pa­ti­ons­pro­zes­sen aus­ge­schlos­sen werden.

Als konkrete Instrumente zur Umsetzung dieser Ziele, gibt das Gesetz unter anderem die Einrichtung von Beiräten vor. Bei­spiels­wei­se bezirkliche Beiräte, die als beratende Gremien für den Austausch zwischen Verwaltung und mi­gran­ti­sche Zi­vil­ge­sell­schaft dienen. Auf Landesebene ist der „Lan­des­bei­rat für Par­ti­zi­pa­ti­on“ ein zentrales Be­ra­tungs­gre­mi­um, das die Berliner Se­nats­ver­wal­tung in Fragen der Teilhabe und Integration unterstützt. Diese Beiräte bieten eine struk­tu­rier­te Plattform, um die Per­spek­ti­ven un­ter­re­prä­sen­tier­ter Gruppen sys­te­ma­tisch in politische Ent­schei­dun­gen einzubinden. So wird Par­ti­zi­pa­ti­on als gelebte Praxis gestärkt. Mit dem Ziel, dass alle Berliner:innen, unabhängig von ihrer Herkunft oder Le­bens­rea­li­tät, gleich­be­rech­tigt an der Gestaltung der Stadt mitwirken können.

Was können wir neben den ge­setz­li­chen Grundlagen und vorhandenen Gremien tun – und wie könnten par­ti­zi­pa­ti­ve Prozesse konkret aussehen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines innovativen Ansatzes, den das Regionale In­te­gra­ti­ons­netz­werk Berlin (RIN Berlin) in den letzten Jahren 2023-2025 im Projekt „Konsortium“ erprobt hat. Der Ansatz verbindet agile Methoden, in­ter­sek­to­ra­le Zu­sam­men­ar­beit und par­ti­zi­pa­ti­ve Prozesse.

 

Stell Dir vor:

  • Die Verwaltung arbeitet nicht in Silos, sondern vernetzt.
  • Zi­vil­ge­sell­schaft, Unternehmen und Initiativen gestalten Lösungen mit.
  • Fehler sind erlaubt und erwünscht, weil sie zu besseren Ergebnissen führen.

 

Genau das haben wir mit RIN Berlin erprobt. Warum ist in­ter­sek­to­ra­le Zu­sam­men­ar­beit dabei so wichtig? Weil wir systemische Her­aus­for­de­run­gen wie den Fach­kräf­te­man­gel, Wohnungsnot oder soziale Un­gleich­heit nur gemeinsam, mit ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven, lösen können. Mit RIN Berlin haben wir bei­spiels­wei­se in einem Projekt in­ter­na­tio­na­le Fachkräfte, Unternehmen, Verwaltung und Zi­vil­ge­sell­schaft zu­sam­men­ge­bracht, um Pas­sungs­pro­ble­me auf dem Ar­beits­markt zu lösen. Durch die Einbindung aller relevanten Gruppen konnten praktikable Lösungen entwickelt werden – etwa ein spezielles Matching-Format, das gezielt Menschen mit Mi­gra­ti­ons­bio­gra­fie und Flucht­er­fah­rung mit Arbeitgeber:innen verbunden hat.

Wenn ver­schie­de­ne Akteur:innen ihre Ressourcen bündeln, spart das nicht nur Zeit und Geld, sondern führt auch zu Synergien und Ska­lie­rungs­ef­fek­ten. Außerdem ist die Akzeptanz für gemeinsam entwickelte Lösungen tendenziell höher. Das stärkt nicht nur die Umsetzung, sondern auch das Vertrauen in die Verwaltung – ein zentraler Faktor für eine lebendige Demokratie.

Agile Methoden stammen ur­sprüng­lich aus der Soft­ware­ent­wick­lung, doch sie lassen sich her­vor­ra­gend auf die Verwaltung übertragen. Warum? Weil unsere Welt sich rasant verändert und starre Prozesse da nicht mithalten können. Mit agilen Methoden können wir schneller testen, lernen und laufend anpassen. Das bereits erwähnte Matching-Format wurde bei­spiels­wei­se innerhalb weniger Monate getestet und direkt verbessert. Denn agile Methoden stellen die Bedürfnisse der Nutzer:innen in den Mittelpunkt. Statt Annahmen zu treffen, werden echte Erfahrungen gesammelt und in die Lösungen einbezogen. Das führt zu pass­ge­naue­ren und nut­zer­freund­li­che­ren Ergebnissen.

Agile digitale Projekt-Tools machen außerdem laufende Prozesse für alle sichtbar. Das fördert Mitwirkung, ein gemeinsames Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und verhindert, dass Ent­schei­dun­gen in „stillen Kämmerlein“ getroffen werden. Wenn Menschen mit­be­stim­men können, steigt ihr Engagement, ihre Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der jeweiligen Stadt und Kommune. Damit stärken agile, in­ter­sek­to­ra­le und kol­la­bo­ra­ti­ve Methoden maßgeblich das Vertrauen in de­mo­kra­ti­sche Strukturen. Der wichtigste Schritt ist der erste: Probiere es aus! Ob in Deinem Team, Projekt oder Deiner Nach­bar­schaft – jeder Beitrag zählt. Denn am Ende geht es darum, eine Kommune oder eine Stadt zu gestalten, in der alle zu­sam­men­le­ben wollen.

 

Bring Deine Perspektive ein: Teile Deine Gedanken zu in­ter­sek­to­ra­ler Zu­sam­men­ar­beit und bring sie bei der Online-Ver­an­stal­tung von NExT e.V. „Gemeinsam Demokratie gestalten – Agilität, In­ter­sek­tio­na­li­tät und wir­kungs­ori­en­tier­te Zu­sam­men­ar­beit zwischen Verwaltung und Zi­vil­ge­sell­schaft“ ein. Am 11. November 2026, von 10:00 bis 11:15 Uhr. Jetzt anmelden.

 

 

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Diesen Beitrag haben wir am 8. Oktober 2026 in unserem Re:Form-Newsletter versendet. Melde Dich jetzt an und erhalte die neuesten Ausgaben direkt in Dein Postfach.
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