Was wäre, wenn Verwaltung agil arbeiten würde?

Sarah Langnese, Co-Gründerin des Public Impact Collective, Lisa Hofius, Change Maker beim Public Impact Collective

 

Ein Projekt wird gestartet, die Ziele sind hoch­ge­steckt und plötzlich steht man vor einem Berg an Aufgaben, die scheinbar gleich­zei­tig erledigt werden müssen. Zwischen Ta­ges­ge­schäft, Ad-hoc-Anfragen und Pro­jekt­ar­beit bleibt wenig Raum für struk­tu­rier­te Zu­sam­men­ar­beit. Viele fühlen sich gehetzt, überlastet oder fragen sich, warum der große Wurf trotz aller An­stren­gun­gen nicht gelingt.

Genau diese Erfahrung haben auch wir in der Verwaltung gemacht und nach al­ter­na­ti­ven Ar­beits­me­tho­den gesucht. Im Rahmen unserer Work4Germany-Projekte sind wir auf einen Ansatz gestoßen, der überrascht, weil er so einfach wie wir­kungs­voll ist: Arbeiten in kleinen, klar struk­tu­rier­ten Schritten.

Denn viele Projekte scheitern nicht am Engagement oder an fehlender Fach­kom­pe­tenz, sondern daran, dass das eigentliche Problem nie klar definiert wurde. Wer sich zu Beginn bewusst Zeit nimmt, das Problem gemeinsam zu verstehen und Ziele, Umfang und Rollen des Projekts gemeinsam festzulegen, arbeitet später effizienter und ziel­ge­rich­te­ter.

Dabei geht es nicht darum, gleich die perfekte Lösung zu haben. Wichtig ist das „Was“ und „Warum“: Was wollen wir erreichen? Für wen machen wir das? Woran erkennen wir Erfolg? Agile Rahmenwerke und Methoden wie SCRUM un­ter­stüt­zen genau an dieser Stelle. Denn mit ihnen entstehen Lösungen iterativ Schritt für Schritt, angepasst an das, was wir im Prozess lernen.

SCRUM basiert auf den Prinzipien Agilität, Iteration und Fle­xi­bi­li­tät. Ent­spre­chend haben wir Projekte mit unseren Partner:innen aus Bun­des­be­hör­den so struk­tu­riert, dass sie für die Teams realistisch und entlastend sind:

  • Re­gel­ter­mi­ne etablieren: kurze, wie­der­keh­ren­de Treffen mit Fokus auf Fortschritt und nächste Schritte.
  • Zwi­schen­zie­le definieren: kleine, erreichbare Etappen motivieren und schaffen Ori­en­tie­rung.
  • Klare Rollen festlegen: mindestens eine feste Leitungs- oder Ver­ant­wor­tungs­rol­le pro Projekt sorgt für Ori­en­tie­rung.
  • Ei­gen­ver­ant­wor­tung fördern: jede:r übernimmt klar benannte Aufgaben – sichtbar und verbindlich.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ver­an­stal­tun­gen sind im Auswärtigen Amt zentral – von in­ter­na­tio­na­len Konferenzen bis zu internen Fach­for­ma­ten. Die Or­ga­ni­sa­ti­on lief vor unserem Work4Germany-Projekt jedoch über viele Excel-Listen und Mail-Verteiler, was zu Dop­pel­ar­beit, fehlender Transparenz und hoher Feh­ler­an­fäl­lig­keit führte.

Im Rahmen unseres Work4Germany-Projekts begleiteten wir die Vor­be­rei­tung einer Aus­schrei­bung für ein geeignetes digitales Ver­an­stal­tungs­ma­nage­ment­tool. Anstatt uns allerdings direkt an die Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen zu begeben, haben wir zuerst mit den Anwender:innen gesprochen und konnten her­aus­fin­den, was diese wirklich benötigen.

Denn eine Aus­schrei­bung kann ein komplexes Unterfangen, mit diversen Dokumenten und ein­zu­bin­den­den Akteur:innen sein. Um Über­for­de­rung im Team mit den vielen stark voneinander abhängigen Aufgaben zu vermeiden und ziel­ge­rich­tet vor­an­zu­kom­men, haben wir in kleinen, über­schau­ba­ren zwei­wö­chi­gen Pro­jekt­ab­schnit­ten – sogenannten „Sprints“ – gearbeitet.

So konnten wir den Überblick behalten, immer besser werden im Schätzen eines rea­lis­ti­schen Ar­beits­auf­wands für einen Sprint, wussten immer, welches Team­mit­glied für welche Aufgabe gerade ansprechbar ist und weitere Akteur:innen über bestimmte Phasen und Sprints gezielt involvieren.

Nicht nur beteiligt, sondern teilweise aktive Mitglieder des Teams, wurden unter anderem Da­ten­schutz­be­auf­trag­te, Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te, die Auslands-IT, diverse Fach­ab­tei­lun­gen, das Protokoll und weitere interne Stakeholder, die später mit dem Tool arbeiten oder dessen Einführung betreuen sollten. Das Ergebnis: deutlich ef­fi­zi­en­te­re Abläufe, weniger Ab­stim­mungs­auf­wand und spürbare Entlastung für die Mit­ar­bei­ten­den.

Verwaltung kann sich verändern. Nicht nur durch riesige Reformen auf einen Schlag, sondern auch durch konsequente kleine Schritte. Die Erprobung des agilen Pro­jekt­ma­nage­ments à la SCRUM im Auswärtigen Amt hat uns gezeigt, wie auch in nicht-technischen Projekten eine neue Form der Zu­sam­men­ar­beit entstehen kann: trans­pa­ren­ter, mo­ti­vie­ren­der und wirksamer.

 

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Foto Credits Sarah Langnese: Larissa Rausch
Foto Credits Cover-Foto: Sandra Kühnapfel
 
 
Diesen Beitrag haben wir am 20. November 2025 in unserem Re:Form-Newsletter versendet. Melde Dich jetzt zum an und erhalte die neuesten Ausgaben direkt in Dein Postfach.