Aufruf

Eine neue För­der­sys­te­ma­tik für Kommunen

Kommunen sind der Ort, an dem staatliches Handeln konkret wird. Ob Schulen saniert, Klimaschutz umgesetzt oder soziale In­fra­struk­tur gesichert wird: Hier entscheidet sich, ob der Staat als leis­tungs­fä­hig wahr­ge­nom­men wird.

Doch das För­der­sys­tem, das ein Viertel aller kommunalen In­ves­ti­tio­nen finanziert, verhindert oft genau das. Programme sind zu zahlreich, zu komplex, Be­wer­bungs­ver­fah­ren oft zu aufwändig. Aufgaben, die dauerhaft gebraucht werden, landen in befristeten För­der­pro­gram­men. Mittel fließen nicht dorthin, wo sie den größten Unterschied machen.

Mit dem Son­der­ver­mö­gen In­fra­struk­tur und Kli­ma­neu­tra­li­tät in Höhe von 500 Milliarden Euro stehen erhebliche zusätzliche Mittel bereit. Ob sie vor Ort wirksam werden, entscheidet die Architektur des Systems. Die Föderale Mo­der­ni­sie­rungs­agen­da setzt wichtige Impulse, optimiert aber vor allem Bestehendes.

In einem breiten, ebe­nen­über­grei­fen­den und über­par­tei­li­chen Prozess haben Praktiker:innen aus Kommunen, Lan­des­ver­wal­tun­gen und Wis­sen­schaft deshalb ein Im­puls­pa­pier erarbeitet, das die För­der­ar­chi­tek­tur selbst zur Diskussion stellt: mit neun konkreten Re­form­he­beln entlang von drei Zielen.

 

Ihre Forderungen:

  • Das Richtige fördern: Dau­er­auf­ga­ben der Kommunen gehören in die Re­gel­fi­nan­zie­rung, nicht in befristete För­der­pro­gram­me. Zweck­ge­bun­de­ne Zuweisungen, verteilt nach tat­säch­li­chem Bedarf statt nach Be­völ­ke­rungs­schlüs­sel, geben Kommunen echte Hand­lungs­frei­heit. Darüber hinaus werden För­der­pro­gram­me konsequent auf Nachnutzung aus­ge­rich­tet: Wer Bewährtes übernimmt, wird genauso gefördert wie diejenigen, die Neues entwickelen. Die För­der­zen­tra­le do­ku­men­tiert erprobte Lösungen und macht sie zugänglich. Wir­kungs­ori­en­tie­rung braucht dabei eine andere Haltung: nicht me­cha­nis­ti­sche Indikatoren, sondern eine struk­tu­rier­te gemeinsame Reflexion aller Beteiligten auf Basis belastbarer Daten als Vor­aus­set­zung für Pro­gramm­ver­län­ge­run­gen.
  • För­der­pro­gram­me ver­ein­fa­chen und bündeln: Das Zu­wen­dungs­recht wird grundlegend umgekehrt: weg von klein­tei­li­ger Kontrolle, hin zu Vertrauen, Pau­scha­lie­rung und kommunaler Ei­gen­ver­ant­wor­tung. Kommunen gelten als risikoarme Zu­wen­dungs­emp­fän­ger, das kommunale Vier-Augen-Prinzip ersetzt die Vollprüfung durch mehrere Behörden. Fest­be­trags­för­de­rung mit planbarer Auszahlung löst das Vor­fi­nan­zie­rungs­pro­blem, Ver­wen­dungs­nach­wei­se werden auf Stichproben umgestellt. Zusätzlich verhindert ein ver­bind­li­cher Zu­stim­mungs­vor­be­halt beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Finanzen (BMF) neue Par­al­lel­struk­tu­ren, bevor sie entstehen. Ei­gen­an­tei­le werden fle­xi­bi­li­siert: Sie dürfen künftig auch durch Spenden und Mittel Dritter gedeckt werden, das Ku­mu­lie­rungs­ver­bot wird abgebaut, für struk­tur­schwa­che Kommunen werden Ei­gen­an­tei­le abgesenkt.
  • Den För­der­pro­zess di­gi­ta­li­sie­ren und au­to­ma­ti­sie­ren: Eine einzige Plattform bildet den gesamten För­der­le­bens­zy­klus ab, vom Finden passender Programme bis zum Ver­wen­dungs­nach­weis. För­der­richt­li­ni­en werden so präzise formuliert, dass re­gel­ba­sier­te Systeme rechts­ver­bind­li­che Bescheide in Minuten ausstellen können. KI-gestützte För­der­lot­sen begleiten gerade kleine und struk­tur­schwa­che Kommunen aktiv durch den gesamten Prozess. Darüber hinaus werden Förderdaten in Echtzeit ausgewertet und öffentlich zugänglich gemacht, damit Bün­de­lungs­ent­schei­dun­gen und Pro­gramm­ver­än­de­run­gen erstmals da­ten­ba­siert begründbar werden.

 

Die Reform beginnt mit dem, was sich sofort umsetzen lässt: Nach­weis­pflich­ten reduzieren, Fest­be­trags­för­de­rung durchsetzen, die bestehende För­der­platt­form skalieren. Parallel braucht es struk­tu­rel­le Ent­schei­dun­gen: Dau­er­auf­ga­ben in die Re­gel­fi­nan­zie­rung überführen, das Zu­wen­dungs­recht kohärent neu fassen, den Zu­kunfts­pakt zwischen Bund, Ländern und Kommunen als politischen Ort für eine neue För­der­sys­te­ma­tik nutzen.

Gehen wir es an.

Co-Autor:innen und Erst­un­ter­zeich­nen­de:

Alex Maier, Ober­bür­ger­meis­ter von Göppingen

Andreas Schwarz, Kämmerer in Lud­wigs­ha­fen

Bernd Vöhringer, Ober­bür­ger­meis­ter von Sin­del­fin­gen

Christoph Hedtke, Ge­schäfts­füh­rer des For­schungs­kol­lek­tivs Peripherie und Zentrum, und wis­sen­schaft­li­cher Mitarbeiter an der Fach­hoch­schu­le Erfurt

Dennis Rehbein, Ober­bür­ger­meis­ter von Hagen

Dirk Oestringer, Bür­ger­meis­ter von Gerlingen

Dr. Frederick Sixtus, Pro­jekt­ko­or­di­na­tor Demografie Deutschland beim Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Frank Nägele, Be­auf­trag­ter der saar­län­di­schen Lan­des­re­gie­rung für den Struk­tur­wan­del, Staats­se­kre­tär a.D. 

Gerhard Micosatt, Ge­schäfts­füh­rer der For­schungs­ge­sell­schaft für Raum­fi­nanz­po­li­tik

Hauke Diedrich, Leitung des Klima-In­no­va­ti­ons­fonds von Stuttgart

Heike Dorczok, Bür­ger­meis­te­rin von Bad Schmie­de­berg

Imke Heymann, Bür­ger­meis­te­rin von Ennepetal

Karen Lassmann, Leiterin Bereich Smart City und Da­ten­ma­nage­ment bei der Se­nats­kanz­lei Berlin

Klaus Blettner, Ober­bür­ger­meis­ter von Lud­wigs­ha­fen

Marc Adomat, Stadt­di­rek­tor von Leverkusen

Marc Weigel, Ober­bür­ger­meis­ter von Neustadt an der Weinstraße

Marcel Mittelbach, Bür­ger­meis­ter von Waltrop

Martina Pfister, Bür­ger­meis­te­rin von Heidelberg

Mathias Großklaus, Innovation Lead Par­ti­zi­pa­ti­ve Governance bei Agora Digitale Trans­for­ma­ti­on

Michael Maas, Bür­ger­meis­ter von Pirmasens

Miriam Scherff, Ober­bür­ger­meis­te­rin von Wuppertal

Peter Kurz, Ober­bür­ger­meis­ter von Mannheim a.D.

Rene Schernikau, Bür­ger­meis­ter der Ver­bands­ge­mein­de Arneburg-Goldbeck

Sven Wolf, Ober­bür­ger­meis­ter von Remscheid

Thomas Will, Landrat von Groß-Gerau

Ulrike Freundlieb, Bür­ger­meis­te­rin von Mannheim a.D.

Uwe Schnei­de­wind, Ober­bür­ger­meis­ter von Wuppertal a.D.

 

Weitere Un­ter­zeich­nen­de:

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Kommunen sind das Fundament staatlicher Hand­lungs­fä­hig­keit. Damit För­der­mit­tel dort ankommen, wo sie gebraucht werden, braucht es jetzt eine neue För­der­sys­te­ma­tik. Wir laden alle, die kommunale In­ves­ti­ti­ons­kraft stärken und das Förderwesen grundlegend ver­ein­fa­chen wollen, ein, diesen Aufruf zu un­ter­zeich­nen. Nach unserer Überprüfung nehmen wir Dich unter „Weitere Un­ter­zeich­nen­de" auf.

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Diesen Beitrag haben wir am 13. Mai 2026 in unserem Re:Form-Newsletter versendet. Melde Dich jetzt an und erhalte die neuesten Ausgaben direkt in Dein Postfach.
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