Warum Staats­re­form mit Vertrauen beginnt

Ein Rückblick auf das sechste Forum für den Staat von morgen in Kiel

von Tiaji Sio, Mission Lead von Re:Form

 

Beim sechsten Forum für den Staat von morgen in Kiel kamen über drei Tage hinweg mehr als 100 Ver­wal­tungs­pio­nier:innen aus Bund, Ländern und Kommunen zusammen, um an der konkreten Umsetzung einer Staats­re­form zu arbeiten. Nach unseren vergangenen Foren in Paretz, Wuppertal, Wiesbaden, Dessau und Göppingen, haben wir dieses Forum gemeinsam mit der Stadt Kiel, vertreten durch Ober­bür­ger­meis­ter Ulf Kämpfer, und dem Land Schleswig-Holstein, vertreten durch den Minister für Di­gi­ta­li­sie­rung und Me­di­en­po­li­tik und Chef der Staats­kanz­lei Schleswig-Holstein, Dirk Schrödter, organisiert. 

In zwölf Workstreams ging es um sehr konkrete Fragen: Wie or­ga­ni­sie­ren wir die föderale Zu­sam­men­ar­beit wirksamer? Wie schaffen wir tragfähige Strukturen für kommunale Di­gi­ta­li­sie­rung, Per­so­nal­ent­wick­lung oder mentale Gesundheit? Unter welchen Ge­lin­gens­be­din­gun­gen entfalten För­der­pro­gram­me tatsächlich Wirkung?

Neben der hohen fachlichen Expertise, die inhaltliche Tiefe überhaupt erst ermöglicht, investieren wir beim Forum bewusst und sys­te­ma­tisch Zeit in Ver­trau­ens­auf­bau. Vertrauen innerhalb einer Gruppe ist kein wün­schens­wer­tes Ne­ben­pro­dukt, sondern die methodische Vor­aus­set­zung dafür, an­schlie­ßend offener, ehrlicher und lö­sungs­ori­en­tier­ter arbeiten zu können

Ent­spre­chend ist das Forum für den Staat von morgen nicht als klassische Konferenz konzipiert, sondern als erlebbarer Arbeitsraum. Gemeinsames Kochen, informelle Gespräche, kreative Sessions für Herz und Hand, gemeinsam entwickelte Prinzipien der Zu­sam­men­ar­beit und bewusst gestaltete Übergänge zwischen un­ter­schied­li­chen Arbeitsmodi sind integraler Bestandteil des Formats. Sie schaffen psy­cho­lo­gi­sche Sicherheit und tragen dazu bei, Beziehungen über Ebenen, Ressorts und Rollen hinweg gezielt aufzubauen.

Genau dadurch wird es möglich, in­sti­tu­tio­nel­le Logiken für einen Moment zu­rück­zu­stel­len und Ver­ant­wor­tung gemeinsam und pragmatisch zu übernehmen. Diese Art der Zu­sam­men­ar­beit erzeugt die Tiefe, die es braucht, um nicht bei Analysen ste­hen­zu­blei­ben, sondern gemeinsam tragfähige Lösungen für den Staat von morgen zu entwickeln.

Im Workstream zur föderalen Mo­der­ni­sie­rungs­agen­da wurde bei­spiels­wei­se nicht nur über Widerstände gesprochen, sondern ein klarer Um­set­zungs­an­satz entwickelt: eine Roadshow, die Kommunen sys­te­ma­tisch einbindet, Feedback ernst nimmt und Prioritäten gemeinsam setzt. Teilen, Austauschen, Beteiligen wurden hier bewusst als methodische Schritte gedacht, um Reformen tragfähiger zu machen.

Beim Workstream zur kommunalen Di­gi­ta­li­sie­rung lag der Fokus auf Lösungen, die Un­si­cher­heit abbauen und Hand­lungs­spiel­räu­me erweitern. Besonders deutlich wurde das im Vorschlag eines zentralen Rechts­be­ra­tungs­ser­vices für Kommunen. Durch schnelle, stan­dar­di­sier­te und zugleich haf­tungs­re­le­van­te juristische Ein­schät­zun­gen sollen Kommunen so befähigt werden, mutige Ent­schei­dun­gen ohne monatelange Ver­zö­ge­run­gen zu treffen. Vertrauen könnte hier als ver­läss­li­che In­fra­struk­tur ope­ra­tio­na­li­siert werden, die Tempo, Qualität und Ska­lier­bar­keit ermöglicht.

Auch in den Workstreams zur Mo­der­ni­sie­rungs­agen­da des Bundes, zur Wir­kungs­ori­en­tie­rung und zu innovativen För­der­pro­gram­men standen konkrete Hebel im Mittelpunkt. Ob es um gemeinsame Zielbilder statt defensiver Früh­ko­or­di­nie­rung geht, um Checklisten und Narrative für wir­kungs­ori­en­tier­tes Arbeiten oder um lernende, par­ti­zi­pa­ti­ve För­der­lo­gi­ken – immer wieder zeigte sich: Wenn res­sort­über­grei­fen­de Zu­sam­men­ar­beit klar struk­tu­riert ist und Ver­ant­wor­tung geteilt wird, verschiebt sich der Fokus von Absicherung hin zu Gestaltung.

In den Workstreams zu de­mo­kra­ti­scher Resilienz und mentaler Gesundheit wurden Vorschläge entwickelt, die Beteiligung verbindlich machen und Prävention nicht als freiwillige Zu­satz­auf­ga­be, sondern als struk­tu­rel­len Bestandteil kommunaler Da­seins­vor­sor­ge zu verankern. Kommunale Ge­samt­stra­te­gien und ein stan­dar­di­sier­tes Monitoring sind konkrete Antworten auf frag­men­tier­te Zu­stän­dig­kei­ten. Auch hier gilt: Lösungen entstehen dort, wo Vertrauen durch klare Mandate und eine geteilte Datenbasis gestützt wird.

Neben den sehr konkreten, praxisnahen Ergebnissen haben wir in Kiel bewusst auch an einer größeren gemeinsamen Klammer gearbeitet: an einer Vision für den Staat 2040. In allen Workstreams ging es immer wieder um die Frage, welches Staats­ver­ständ­nis unser tägliches Handeln leitet und welches es künftig leiten sollte. Entstanden ist ein positives, über­par­tei­li­ches und in­ter­fö­de­ra­les Zu­kunfts­bild. Dieses 

Zu­kunfts­bild beschreibt einen Staat, der vom Menschen her gedacht ist und dessen In­sti­tu­tio­nen sich an den Le­bens­rea­li­tä­ten der Bürger:innen orientieren. Einen Staat, der föderale Vielfalt als Ressource nutzt, Ver­ant­wor­tung teilt, Ebenen und Akteur:innen verbindet sowie sys­te­ma­tisch aus Umsetzung und Feedback lernt. Einen Staat, der ermöglicht, indem er Hand­lungs­spiel­räu­me eröffnet, statt sie durch Über­re­gu­lie­rung einzuengen. An diesem Zu­kunfts­bild werden wir in den kommenden Wochen wei­ter­ar­bei­ten und es zu einem gemeinsamen Kompass für unsere weitere Arbeit an der Staats­re­form entwickeln.

Das Forum hat damit auf zwei Ebenen gewirkt. Es hat konkrete fachliche Ergebnisse her­vor­ge­bracht, die nun wei­ter­ver­folgt und getestet werden. Und es hat gezeigt, dass die Art, wie wir zu­sam­men­ar­bei­ten, ent­schei­dend dafür ist, was wir inhaltlich erreichen. Genau diese Erfahrung möchten wir weitergeben. Unser Anspruch ist nicht nur, inhaltliche Vorschläge zu entwickeln, sondern auch Ar­beits­wei­sen und Methoden zu explorieren und diese auch in formelle Prozesse zu integrieren. 

 

Du hast eine konkrete Reformidee, die du bei einem unserer nächsten Formate einbringen möchtest? Dann melde dich gern bei Alina. Wir freuen uns von Dir zu hören. 

 

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Diesen Beitrag haben wir am 5. Februar 2026 in unserem Re:Form-Newsletter versendet. Melde Dich jetzt an und erhalte die neuesten Ausgaben direkt in Dein Postfach.