Hinter den großen Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung arbeiten viele engagierte Menschen aus Verwaltungen und Hochschulen. Sie entwickeln Lösungen dafür, dass Biodiversität im urbanen Raum steigt, dass dritte Orte für mehr gesellschaftliche Partizipation entstehen oder dass Erwachsenenbildung eine Selbstverständlichkeit wird. Ob wir die Menschen Verwaltungspionier:innen, Institutional Entrepreneurs oder Boundary Spannersnennen – am Ende geht es bei institutionellen Innovationen um unterschiedliche Personen in verschiedenen Rollen, die eines eint: Sie bewegen sich aus ihren Silos, mit dem Mut, Neues zu wagen. Gleichzeitig wird dieses „sich-hinaus-bewegen” weder konkret gefördert noch belohnt. Oft beschäftigen sich Stadtverwaltungen und Hochschulen mit ähnlichen Herausforderungen, jedoch verwenden sie unterschiedliche Begrifflichkeiten, folgen verschiedenen Logiken und bewegen sich in anderen Zeitdimensionen. Verwaltung plant in Haushaltsperioden, Wissenschaft in Forschungszyklen. Verwaltung fragt „Wie geht das praktisch?", Wissenschaft fragt „Was wäre möglich?". Die Folge: Wichtige Forschungsergebnisse finden nicht immer rechtzeitig den Weg in die Praxis. Dringende Fragen der Stadt werden so teils ohne hinreichende wissenschaftliche Fundierung bearbeitet. Genau hier setzt das Transformationslabor Hochschule des Stifterverbands an. Mit diesem Förderprogramm unterstützt der Stifterverband Hochschulen und Kommunen dabei, durch Peer-Learning, Kompetenzaufbau und Transformationsprojekte gemeinsam Wandel in der Region zu gestalten. Denn die großen Herausforderungen unserer Zeit – von Klimawandel über Fachkräftemangel bis hin zu gesellschaftlicher Polarisierung – lassen sich nur in Multi-Stakeholder-Prozessen bewältigen. Eines dieser geförderten Projekte ist das Transformationslabor Stadt und Universität Würzburg. Das Würzburger Transformationslabor will den bidirektionalen Wissenstransfer zwischen der Julius-Maximilians-Universität und der Stadtverwaltung festigen. Das Ziel: Wissenschaft soll aktiv in Entscheidungsprozesse und die Gestaltung städtischer Projekte eingebunden werden. Gleichzeitig sollen relevante Fragen der Stadtverwaltung wissenschaftlich begleitet werden. Der Ansatz ist dabei bewusst praxisnah: Statt abstrakter Strategiepapiere hat das Würzburger Transformationslabor vier Tandems gebildet mit je einer Person aus der Stadtverwaltung und einer aus der Wissenschaft. Gemeinsam arbeiten sie an konkreten Themen einer nachhaltigen Stadtentwicklung: Urbane Biodiversität: Wie schaffen wir mehr Natur im städtischen Raum? Bildung für Nachhaltige Entwicklung: Wie wird Erwachsenenbildung zur Selbstverständlichkeit? Kommunikation: Wie können Verwaltungen moderner nach außen kommunizieren? Dritte Orte: Wie werden Museen und Bibliotheken zu Orten der Begegnung?
Die Tandems werden durch moderierte Design-Thinking-Workshops begleitet, die von Dr. Annika Kreikenbohm (City2Science) strukturiert wurden. Dabei entwickeln die Tandems gemeinsame Prototypen für städtische Herausforderungen, finden eine gemeinsame Sprache und führen ihre unterschiedlichen Perspektiven zusammen. Auf strategischer Ebene wird das Projekt von Universitäts-Vizepräsidentin Prof. Dr. Anja Schlömerkemper sowie Oberbürgermeister Martin Heilig und Bürgermeisterin Dr. Sandra Vorlová begleitet. Auf operativer Ebene gestalten das Nachhaltigkeitslabor WueLAB der Universität mit Dr. Nicola Oswald und die Stabsstelle Klima und Nachhaltigkeit mit Dr. Christian Göpfert und Dr. Markus Leisegang den Prozess. Diese Verschränkung von strategischer Leitungsebene und operativer Umsetzungsebene ist charakteristisch für das Förderprogramm des Stifterverbands. Denn nur wenn beide Ebenen mitziehen, kann Transformation gelingen. Die Ergebnisse der Tandems wurden bewusst in unterschiedlichen Welten präsentiert – im Ratssaal der Stadt, in einer Ringvorlesung an der Universität und schließlich im Museum im Kulturspeicher Würzburg, wo im Februar 2026 die projektbezogene Ausstellung „Ausgesprochen" eröffnet wurde. Ein Improvisationstheater griff den Dialog zwischen Verwaltung und Wissenschaft spielerisch auf. Die Ausstellung wird nun als Wanderausstellung fortgeführt und macht den ko-kreativen Prozess einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Aktuell wird eine dauerhafte Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Würzburg und der Julius-Maximilians-Universität vorbereitet. Das Tandem-Projekt soll mit jährlich vier neuen Tandems verstetigt werden und so langfristig Impulse für eine nachhaltige Stadtentwicklung setzen. Trotz dieser Erfolge sind die Teilnehmenden des Transformationslabors Stadt und Universität Würzburg auch einigen Herausforderungen begegnet. Es war nicht immer leicht, die unterschiedlichen institutionellen Logiken und Arbeitskulturen von der Stadtverwaltung und der Universität miteinander zu vereinen. Außerdem wird Wissenschaft in der Verwaltung meist als freiwillige Aufgabe behandelt, die durch Ressourcendruck und Pflichtaufgaben nur schwer Aufmerksamkeit bekommt. Die Frage „Warum soll ich mich mit Forschung beschäftigen?" kam immer wieder auf. Dabei kann Wissenschaft wertvolles Orientierungswissen für die (Stadt-)Gesellschaft schaffen, das besonders in der gegenwärtigen Polykrise Stabilität und gleichzeitig Agilität bieten kann. Deshalb ist die Einbettung von Hochschulen in ihre eigene Region und Stadtgesellschaft nicht nur ein potenzieller Standortfaktor, der zu mehr kulturellem Leben und ökonomischer Prosperität führt. Vielmehr können Hochschulen einer öffentlichen Verwaltung den Raum und eine Basis für Experimentierfreudigkeit, Vertrauensbildung, Partizipation und die Entwicklung einer resilienteren Gesellschaft bieten. Dafür braucht es noch mehr mutige Menschen und Führungspersonen, die dies ermöglichen. |